Immobiliengrundsteuergrundsteuerreformimmobiliengrundsteuerbescheidkommunalsteuer

Grundsteuerreform in einem Satz erklĂ€rt — und was Sie 2026 zahlen

Weißes Haus in einer deutschen Wohnsiedlung

Photo by Ibrahim Rifath on Unsplash

Teilen

Die Grundsteuer ist seit 2025 neu berechnet — und fĂŒr viele EigentĂŒmer bedeutet das eine spĂŒrbare VerĂ€nderung. Das Bundesverfassungsgericht hatte die alten Einheitswerte aus den 1960er-Jahren fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt und eine Reformfrist bis Ende 2024 gesetzt. Seit dem 1. Januar 2025 gilt das neue Recht. Wer 2026 zum ersten Mal einen Bescheid nach neuem Recht erhĂ€lt oder diesen noch nicht geprĂŒft hat, findet hier alles, was relevant ist.

Grundsteuer in einem Satz erklÀrt

Die Grundsteuer ist eine kommunale Jahressteuer auf Grundbesitz — fĂ€llig fĂŒr jedes GrundstĂŒck und GebĂ€ude, unabhĂ€ngig davon, ob es vermietet, selbst genutzt oder leer steht.

Die Berechnung folgt dieser Formel:

Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz der Gemeinde = jĂ€hrliche Grundsteuer

Alle drei Faktoren wurden durch die Reform neu bestimmt. Der Hebesatz bleibt Sache der Gemeinde — und liegt im deutschlandweiten Durchschnitt bei rund 400 Prozent. In GroßstĂ€dten wie MĂŒnchen oder Frankfurt liegt er deutlich höher.

Was sich seit 2025 konkret geÀndert hat

Bis Ende 2024 basierte die Grundsteuer auf Einheitswerten von 1964 (alte BundeslĂ€nder) bzw. 1935 (neue BundeslĂ€nder). Das Bundesverfassungsgericht erklĂ€rte diese Werte 2018 fĂŒr gleichheitswidrig und setzte eine Übergangsfrist.

Die Reform bringt drei wesentliche Änderungen:

  • Neue Grundsteuerwerte: Berechnung auf Basis aktueller Bodenrichtwerte und statistischer Mieten
  • Neue Steuermesszahlen: In den meisten BundeslĂ€ndern deutlich gesenkt, um den gestiegenen Grundsteuerwert auszugleichen
  • Öffnungsklausel: Sechs BundeslĂ€nder nutzen eigene Modelle und weichen vom Bundesmodell ab

Kernpunkt: Die Reform sollte aufkommensneutral sein — Gemeinden sollten insgesamt nicht mehr einnehmen als zuvor. TatsĂ€chlich haben viele Kommunen ihre HebesĂ€tze gesenkt, aber nicht alle. EigentĂŒmer in bestimmten Lagen zahlen 2026 nachweislich mehr.

Reihe bunter alter GebĂ€ude an einer deutschen Straße Photo by Wolfgang Weiser on Unsplash

Wer zahlt 2026 mehr, wer zahlt weniger?

Die BelastungsverÀnderungen hÀngen von Lage, Baujahr und Bundesland ab. Als fundierte Orientierung:

Situation Tendenz
GrundstĂŒck in Innenstadtlage mit stark gestiegenen Bodenrichtwerten Wahrscheinlich mehr
Älteres Einfamilienhaus auf großem GrundstĂŒck in lĂ€ndlicher Lage Wahrscheinlich gleich oder weniger
Neue Wohnimmobilie in Wachstumsregion Mehr durch höhere Bodenrichtwerte
Bayern, Baden-WĂŒrttemberg (eigene Modelle) Weniger Schwankung durch flĂ€chenbasierte Berechnung
Gewerbeimmobilien Je nach Gemeinde, neue Grundsteuer C möglich

Entscheidend ist letztlich der Hebesatz Ihrer Gemeinde. Dieser wird vom Gemeinderat beschlossen und ist öffentlich einsehbar — meist auf der Gemeindewebseite oder beim Finanzamt.

BundeslĂ€nder mit eigenem Modell — Übersicht

Sechs BundeslĂ€nder nutzen die Öffnungsklausel und berechnen die Grundsteuer nach eigenen Regeln:

Bundesland Modell Besonderheit
Bayern FlÀchenmodell Bodenrichtwert spielt keine Rolle
Baden-WĂŒrttemberg Modifiziertes Bodenwertmodell Nur GrundstĂŒckswert zĂ€hlt
Hamburg Wohnlagemodell BerĂŒcksichtigt tatsĂ€chliche Wohnlage
Hessen FlÀchen-Faktor-Modell Kombination aus FlÀche und Lagebewertung
Niedersachsen FlĂ€chen-Lage-Modell Ähnlich wie Hessen
Sachsen Modifiziertes Bundesmodell Angepasste Steuermesszahl

EigentĂŒmer in Bayern und Baden-WĂŒrttemberg sehen die geringsten VerĂ€nderungen, weil dort der Bodenrichtwert — der sich in vielen Regionen stark verĂ€ndert hat — keine Rolle spielt.

Grundsteuerbescheid prĂŒfen — so gehen Sie vor

Sie haben einen neuen Bescheid erhalten und sind unsicher, ob er korrekt ist? Es gibt drei verschiedene Bescheide, die in zeitlicher Abfolge zugestellt werden:

1. Grundsteuerwertbescheid (Finanzamt)

EnthĂ€lt den neu berechneten Grundsteuerwert. Dieser basiert auf Bodenrichtwert, GrundstĂŒcksflĂ€che, GebĂ€udeart und statistischen Mietdaten. PrĂŒfen Sie:

  • Ist die GrundstĂŒcksflĂ€che korrekt?
  • Stimmt die GebĂ€udeart (Wohnhaus, Mischnutzung, Gewerbe)?
  • Ist das Baujahr richtig?

Einspruchsfrist: 1 Monat nach Bekanntgabe. Danach ist der Wert bestandskrÀftig.

2. Grundsteuermessbescheid (Finanzamt)

Ergibt sich aus Grundsteuerwert × Steuermesszahl. Hier gibt es wenig Spielraum, da die Messzahl gesetzlich festgelegt ist.

3. Grundsteuerbescheid der Gemeinde

EnthĂ€lt die tatsĂ€chlich zu zahlende Jahressumme. PrĂŒfen Sie, ob der Hebesatz korrekt angewandt wurde.

Grundsteuerreform — offizielle InformationenBundesfinanzministerium — vollstĂ€ndige ErklĂ€rung des neuen Rechts →

Deutsches Wohngebiet mit EinfamilienhÀusern Photo by Jakub ƻerdzicki on Unsplash

HĂ€ufige IrrtĂŒmer zur Grundsteuerreform

"Ich bin Mieter — mich betrifft das nicht." Falsch. Vermieter dĂŒrfen die Grundsteuer per Betriebskostenabrechnung auf Mieter umlegen. Mieter zahlen die Reform also indirekt.

"Die Reform ist aufkommensneutral — mein Betrag bleibt gleich." Nicht garantiert. Aufkommensneutral gilt auf Gemeindeebene insgesamt, nicht fĂŒr jeden einzelnen EigentĂŒmer. Wer in einer gut gelegenen Innenstadt wohnt, zahlt wahrscheinlich mehr als zuvor.

"Ich muss nichts tun." Richtig fĂŒr laufende Zahlungen — aber falsch, wenn der Grundsteuerwertbescheid fehlerhaft war und die Einspruchsfrist verstrichen ist. Dann ist der Wert rechtskrĂ€ftig festgestellt und kann kaum noch korrigiert werden.

Kernpunkt: Die einzige Frist, die noch offen sein könnte, ist der Widerspruch gegen den Grundsteuerbescheid der Gemeinde. Dieser Bescheid kommt jĂ€hrlich und kann jedes Jahr neu angefochten werden — sofern der Hebesatz falsch angewandt wurde.

Was Vermieter beachten mĂŒssen

Vermieter, die die Grundsteuer umlegen, mĂŒssen prĂŒfen:

  • Ist die Grundsteuer im Mietvertrag als umlagefĂ€hige Betriebskosten vereinbart?
  • Muss bei stark gestiegener Grundsteuer eine Mieterhöhung separat kommuniziert werden?
  • Bei Pauschalmiete ohne Betriebskostenabrechnung: Die Grundsteuer ist im vereinbarten Betrag enthalten — ein Ausgleich ist nicht automatisch möglich.

Neue Grundsteuer C — was bedeutet das fĂŒr EigentĂŒmer unbebauter GrundstĂŒcke?

Mit der Reform wurde eine neue Grundsteuer C eingefĂŒhrt. Gemeinden dĂŒrfen damit fĂŒr baureife, aber unbebaute GrundstĂŒcke einen höheren Hebesatz festsetzen als fĂŒr bebaute GrundstĂŒcke.

Ziel: EigentĂŒmer, die baureife GrundstĂŒcke in Wohnlagen horten, sollen einen finanziellen Anreiz zur Bebauung erhalten. Die Grundsteuer C ist fĂŒr Kommunen optional — ob und wie hoch sie angesetzt wird, entscheidet der Gemeinderat.

Wer ein unbebautes BaugrundstĂŒck besitzt, sollte prĂŒfen:

  • Hat die Gemeinde einen Grundsteuer-C-Hebesatz beschlossen?
  • Ist das GrundstĂŒck als "baureif" eingestuft (Bebauungsplan, Erschließung)?
  • Wie hoch ist der Mehraufwand gegenĂŒber einem bebauten GrundstĂŒck?

In einigen StĂ€dten wurde der Hebesatz fĂŒr Grundsteuer C 2025 erstmals angewendet — mit teils drastischen Auswirkungen fĂŒr GrundstĂŒckseigentĂŒmer in Wohngebieten.

Die Grundsteuerreform ist abgeschlossen — die Bescheide sind raus. Wer seinen Grundsteuerwertbescheid jetzt noch einmal genau prĂŒft, vermeidet unter UmstĂ€nden jahrelang zu viel zu zahlen.

📰 Verwandte BeitrĂ€ge

Mehr →
Grundsteuerreform in einem Satz erklĂ€rt — und was Sie 2026 zahlen — SharkScouter