IPX4 bedeutet: geschützt gegen Spritzwasser aus allen Richtungen.
Es bedeutet nicht wasserdicht, und es sagt über Staub überhaupt nichts aus.
Die Kennzeichnung stammt aus der Norm DIN EN 60529 und gilt für alle elektrischen Geräte, nicht nur für Ohrhörer.
Sie besteht immer aus zwei Ziffern, die zwei getrennte Prüfungen beschreiben.
Wer beide Stellen liest, versteht auf einen Blick, was ein Modell aushält.
Zwei Ziffern, zwei voneinander unabhängige Prüfungen
Die erste Ziffer beschreibt den Schutz gegen feste Fremdkörper, also Staub und Berührung.
Die zweite Ziffer beschreibt den Schutz gegen Wasser.
Beide werden einzeln geprüft und einzeln vergeben.
Ein Gerät kann also gegen Strahlwasser geschützt und gegen Staub ungeprüft sein.
Das X steht für eine fehlende Prüfung, nicht für eine Schwäche
Steht an einer Stelle ein X, wurde diese Eigenschaft schlicht nicht geprüft.
Bei IPX4 fehlt damit die Staubprüfung, nicht der Staubschutz.
Hersteller sparen sich diese Prüfung häufig, weil sie Zeit und Geld kostet.
In der Praxis sind Ohrhörer mit IPX4 gegen Alltagsstaub meist ausreichend gefasst.
Belegen lässt sich das jedoch nicht, und genau darin liegt der Unterschied.
IP55 dagegen nennt beide Werte: Staubschutz auf Stufe 5, Wasserschutz auf Stufe 5.
Stufe 5 bei Staub heißt, dass Eindringen nicht vollständig verhindert wird, die Funktion aber erhalten bleibt.
Die zweite Ziffer steigt in Sprüngen, nicht gleichmäßig
Jede Stufe beschreibt eine eigene Prüfsituation mit eigener Wassermenge, eigenem Winkel und eigener Dauer.
| Stufe | Prüfung | Praxisbezug |
|---|---|---|
| 4 | Spritzwasser aus allen Richtungen | Schweiß, Nieselregen |
| 5 | Strahlwasser aus einer Düse | kräftiger Regen, kurzes Abspülen |
| 6 | starkes Strahlwasser | Regenschauer mit Wind |
| 7 | 30 Minuten in 1 Meter Tiefe | versehentliches Untertauchen |
| 8 | dauerhaftes Untertauchen | Schwimmen, je nach Herstellerangabe |
Die Stufen 4 bis 6 decken ausschließlich Wasser von außen ab.
Erst ab Stufe 7 ist Untertauchen überhaupt Gegenstand der Prüfung.
Ohrhörer mit IPX4 oder IP55 gehören damit nicht unter die Dusche und nicht ins Schwimmbad.
Keine der beiden Angaben schließt das Untertauchen ein, auch nicht für einen kurzen Moment.
Die Stufen bauen zudem nicht zwingend aufeinander auf.
Ein Gerät mit IPX7 hält Untertauchen aus, muss aber Strahlwasser aus einer Düse nicht überstehen.
Schweiß ist der härtere Prüffall, nicht der Regen
Geprüft wird mit klarem Leitungswasser.
Schweiß enthält dagegen Salz und Milchsäure und greift Metallkontakte über Monate an.
Genau deshalb korrodieren Ladekontakte bei Sportlern früher als bei Pendlern.
Wischen Sie Ohrhörer nach dem Training trocken ab, bevor Sie sie ins Etui legen. Die Silikonaufsätze spülen Sie dafür getrennt ab und trocknen sie an der Luft.
Das Ladeetui selbst trägt fast nie eine Schutzart. Es ist der empfindlichste Teil des Sets.
Der Schutz ist zudem kein dauerhafter Zustand.
Dichtungen altern, Klebeverbindungen lösen sich, und ein Sturz auf Fliesen verschiebt Bauteile unsichtbar.
Ein zwei Jahre altes Modell erreicht seine Werksangabe daher nicht mehr zwangsläufig. Herstellergarantien schließen Wasserschäden aus genau diesem Grund fast durchgängig aus.
Auch Laden im feuchten Zustand hebt jeden Schutz auf, weil Strom und Restfeuchte an den Kontakten zusammentreffen.
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Die Schutzart sagt also weniger über die Qualität aus als über den geplanten Einsatzzweck.
Für Bahn, Büro und Spaziergang genügt IPX4 vollständig.
Wer täglich schwitzt oder im Freien arbeitet, fährt mit IP55 spürbar länger störungsfrei.

