Als Zielspanne fĂŒr WohnrĂ€ume gelten 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte.
Diese Zahl steht in fast jedem Ratgeber, und sie ist richtig.
Sie ist nur unvollstÀndig.
Relative Feuchte ist nÀmlich keine Eigenschaft des Raumes, sondern eine Eigenschaft einer Temperatur.
Dieselbe Luft ergibt in der 20 Grad warmen Zimmermitte 55 Prozent und an der 13 Grad kalten AuĂenwand ĂŒber 85 Prozent.
Die Zielspanne gilt fĂŒr die kĂ€lteste FlĂ€che im Raum, nicht fĂŒr die Raummitte
Relative Feuchte sagt, wie voll die Luft ist â nicht, wie viel Wasser sie enthĂ€lt
Warme Luft fasst mehr Wasserdampf als kalte.
Bei 20 Grad passen rund 17 Gramm Wasser in einen Kubikmeter Luft, bei 5 Grad nur noch etwa 7 Gramm.
Die relative Feuchte gibt an, welcher Anteil dieser maximalen Menge gerade tatsÀchlich in der Luft steckt.
KĂŒhlt dieselbe Luft ab, sinkt ihre KapazitĂ€t und der Prozentwert steigt â ohne dass ein Tropfen Wasser hinzugekommen wĂ€re.
Bei 100 Prozent ist der Taupunkt erreicht, und Wasser schlÀgt sich nieder.
FĂŒr 20 Grad und 50 Prozent liegt dieser Punkt bei etwa 9,3 Grad.
Jede FlĂ€che im Zimmer, die kĂ€lter ist als das, wird feucht: die Fensterlaibung, die ungedĂ€mmte AuĂenecke, die Wand hinter dem Schrank.
Genau deshalb ist ein MöbelstĂŒck direkt an der AuĂenwand riskanter als ein feuchter WĂ€schestĂ€nder in der Raummitte.
Relative Luftfeuchte im Wohnraum. Unter 30 Prozent wird die Luft zu trocken, ĂŒber 60 Prozent steigt an kalten FlĂ€chen das Schimmelrisiko.
Ăber 60 Prozent beginnt der Schimmel, unter 30 Prozent die trockene Schleimhaut
Schimmelpilze brauchen kein flĂŒssiges Wasser.
An der OberflĂ€che genĂŒgt ihnen dauerhaft eine relative Feuchte von etwa 80 Prozent.
Die Obergrenze von 60 Prozent in der Raummitte ist deshalb kein Selbstzweck, sondern der Sicherheitsabstand zu dem, was an der kalten Wand daraus wird.
Am anderen Ende steht die Trockenheit.
Unter 30 Prozent trocknen Nasenschleimhaut und Augen aus, Kontaktlinsen werden unangenehm, Parkett und Massivholzmöbel arbeiten.
Das sind Beschwerden, kein Gesundheitsrisiko im engeren Sinn. Im Winter ist es trotzdem der hÀufigere Fall.
Nicht die Raummitte entscheidet ĂŒber Schimmel, sondern die kĂ€lteste FlĂ€che im Zimmer.
Jeder Raum hat sein eigenes Fenster
Im Wohnzimmer gelten bei 20 bis 22 Grad die klassischen 40 bis 60 Prozent.
Im Schlafzimmer ist es kĂŒhler, oft 16 bis 18 Grad, und genau deshalb wird die Obergrenze dort schneller erreicht.
Die Spanne bleibt dieselbe, aber 50 Prozent sind dort der ruhigere Wert als 60.
Im Bad steigt die Feuchte nach dem Duschen kurzzeitig ĂŒber 70 Prozent.
Das ist unbedenklich, solange sie binnen einer halben Stunde wieder fĂ€llt â also solange gelĂŒftet wird.
Der Keller ist der Sonderfall, und zwar ausgerechnet im Sommer.
Warme AuĂenluft mit hoher absoluter Feuchte trifft dort auf kalte WĂ€nde und kondensiert.
SommerlĂŒften macht den Keller feuchter, nicht trockener. Ăffnen Sie dort nachts oder frĂŒh am Morgen.
Umgekehrt erklĂ€rt dasselbe Prinzip die trockene Winterluft: AuĂenluft von 0 Grad mit 90 Prozent Feuchte kommt auf 20 Grad erwĂ€rmt bei etwa 28 Prozent an.
Ein Hygrometer fĂŒr 15 ⏠misst nur so genau, wie Sie es prĂŒfen
Einfache GerĂ€te weichen um drei bis fĂŒnf Prozentpunkte ab, manche deutlich mehr.
Stellen Sie das Hygrometer nicht auf die Fensterbank, nicht neben die Heizung und nicht an die AuĂenwand.
Die Raummitte in etwa 1,5 Metern Höhe liefert den brauchbarsten Wert.
Wer die Anzeige prĂŒfen möchte, nutzt die Salzprobe: gesĂ€ttigte Kochsalzlösung in einem geschlossenen BehĂ€lter stellt sich bei Zimmertemperatur auf 75 Prozent ein.
Weicht das GerÀt davon ab, kennen Sie zumindest seinen Fehler.
Liegt der Wert dauerhaft zu niedrig, hilft ein Befeuchter â die Messwerte eines gĂ€ngigen Modells stehen im Levoit Classic 300S im Test: Die 5 Zahlen, die entscheiden.
Liegt er dauerhaft zu hoch, ist LĂŒften der erste Schritt und ein Entfeuchter der zweite.
Schimmel in InnenrĂ€umen: Leitfaden nachlesenOffizielle Seite â Umweltbundesamt â
