Ein Luftreiniger holt Pollen, Sporen und Staubpartikel aus der Raumluft. Aus Matratze, Teppich und Polstermöbeln holt er nichts.
Dieser eine Unterschied erklĂ€rt, warum die Erfahrungsberichte so weit auseinandergehen: Der eine Allergiker spĂŒrt nach zwei NĂ€chten eine Entlastung, der andere nach zwei Wochen nichts.
Pollen schweben. Milbenkot liegt.
Der Nutzen hÀngt davon ab, wo Ihr Allergen sich aufhÀlt
Pollen sind groĂ genug, dass ein HEPA-Filter sie sicher zurĂŒckhĂ€lt
GrÀserpollen messen etwa 20 bis 55 Mikrometer, Birkenpollen rund 20 Mikrometer.
Ein Filter der Klasse HEPA H13 hĂ€lt an seinem PrĂŒfpunkt bei 0,3 Mikrometern mindestens 99,95 Prozent der Partikel zurĂŒck.
Alles, was deutlich gröĂer ist, wird noch zuverlĂ€ssiger abgeschieden. Pollen sind fĂŒr einen solchen Filter kein anspruchsvoller Fall.
Entscheidend ist deshalb nicht die Filterklasse, sondern der Luftdurchsatz â also die Frage, wie oft das GerĂ€t die gesamte Raumluft pro Stunde durch den Filter zieht.
Obere GröĂengrenze in Mikrometern. Je gröĂer das Partikel, desto einfacher der Filterfall.
Ein GerÀt, das die Raumluft nur einmal pro Stunde umwÀlzt, entfernt Pollen langsamer, als ein gekipptes Fenster sie nachliefert.
FĂŒr ein Schlafzimmer gilt als Faustregel: vier bis fĂŒnf Luftwechsel pro Stunde.
Darunter merken Sie an einem starken Pollentag wenig.
Pollenflug-Gefahrenindex abrufenDeutscher Wetterdienst, regionale Vorhersage â
Bei Hausstaubmilben erwischt das GerÀt nur den aufgewirbelten Anteil
Das eigentliche Allergen steckt im Kot der Milbe, und der sitzt in Matratze, BettwÀsche und Teppich.
Diese Partikel sind vergleichsweise schwer.
Sie steigen auf, wenn Sie das Bett aufschlagen oder durch das Zimmer gehen, und sinken binnen Minuten wieder ab.
Genau dieses kurze Zeitfenster deckt ein Luftreiniger ab. Was zwischen den Fasern Ihrer Matratze liegt, erreicht kein GeblÀse.
Die Reihenfolge der MaĂnahmen bleibt deshalb unverĂ€ndert: milbendichter Bezug fĂŒr Matratze und Decke, wöchentliche WĂ€sche bei 60 Grad, Teppich raus.
Das GerĂ€t ist die ErgĂ€nzung, nicht die MaĂnahme.
Gegen Pollen ersetzt ein Luftreiniger das geschlossene Fenster. Gegen Milben ersetzt er keinen Matratzenbezug.
Ionisatoren und Ozon sind fĂŒr Allergiker das falsche Angebot
Manche GerÀte werben zusÀtzlich mit Ionisator, Plasma oder sogenanntem Aktivsauerstoff.
Ein Ionisator lÀdt Partikel elektrisch auf, sodass sie an WÀnden und Möbeln haften bleiben.
Aus der Luft sind sie damit verschwunden, aus dem Raum nicht. Beim nÀchsten Staubwischen sind sie wieder da.
Problematischer ist Ozon. Es reizt die Atemwege, und bei einer bestehenden allergischen Erkrankung ist das keine erwĂŒnschte Nebenwirkung.
Das Umweltbundesamt rÀt von GerÀten ab, die Ozon gezielt freisetzen.
Wer allergisch reagiert, fÀhrt mit rein mechanischer Filterung besser: Vorfilter, HEPA, fertig.
Im Schlafzimmer bringt das GerÀt mehr als im Wohnzimmer
Dort verbringen Sie sieben bis acht Stunden am StĂŒck, mit ruhiger Atmung und geringem Abstand zum GerĂ€t.
Damit das im Alltag funktioniert, muss die niedrige Stufe leise sein. Unter 30 Dezibel stört sie die meisten Menschen nicht.
Die TĂŒr sollte dabei geschlossen bleiben, sonst arbeitet das GerĂ€t gegen das Volumen der ganzen Wohnung.
Die angegebene RaumgröĂe gilt fĂŒr einen abgeschlossenen Raum, nicht fĂŒr eine offene Wohnung.
Halten Sie auĂerdem rund 30 Zentimeter Abstand zur Wand, damit die Ansaugung frei bleibt.
Und rechnen Sie die Filter in den Preis ein: Ersatzfilter kosten je nach Modell 25 bis 60 ⏠und halten bei Dauerbetrieb in der Pollensaison eher sechs als zwölf Monate.
Ein gĂŒnstiges GerĂ€t mit teurem Spezialfilter ist nach drei Jahren das teurere. PrĂŒfen Sie den Filterpreis vor dem Kauf, nicht nach dem ersten Wechselintervall.
Welche Zahlen ein konkretes Modell liefert, zeigt unser Messwert-Durchgang zum Levoit Vital 200S-P im Test: Die 5 Zahlen, die entscheiden.
Eine letzte nĂŒchterne Einordnung: Ein Luftreiniger senkt die Belastung, er beseitigt sie nicht.
Bei starken Beschwerden bleibt die Àrztliche AbklÀrung der erste Schritt, das GerÀt der zweite.
